Michael Bierut zwischen Buchdeckeln: nicht nur für Helvetica-Fans und Pentagram-Groupies

Der Grafikdesigner Michael Bierut gehört zu den wichtigsten Designern unserer Zeit. Als Partner bei Pentagram arbeitete er unter anderem für United Airlines, AIGA und jüngst Hillary Clinton. In seinem neuen Buch stellt er Arbeiten aus den letzten 35 Jahren vor.

Michael Beirut Buch Wie man als Grafikdesigner

BrandNew ist der vielleicht am häufigsten gelesene Design-Blog der Welt. Regelmäßig werden dort die neuen Corporate Designs von Unternehmen vorgestellt und nicht selten erfahren diese neuen Unternehmensauftritte eine Menge Kritik durch die Design-Community. „Das kann ich auch“ oder „Dafür hat der Designer eine Millionen Dollar bekommen?“ — wenn man dort solche Kommentare sieht, stehen die Chancen nicht schlecht, dass man gerade einen Blogeintrag ließt, der eine Arbeit von Michael Bierut vorstellt.

Michael Bierut Buch

Michael Bierut: ein Design-Guru aus New York

Der 1957 geborene Grafikdesigner ist bekannt für seine puren Gestaltungsansätze, die er mit smarten Ideen kombiniert. Oft Helvetica, viel Raster und mitunter wenig Farbe — so sehen viele Arbeiten Bieruts aus. Nach dem Studium in Cincinnati, mehreren Jahren als Assistent von Massimo Vignelli und ersten großen Aufträgen wurde er 1990 Partner der heute größten und vielleicht wichtigste Design-Agentur der Welt: Pentagram.

Billboard, United Airlines, die New York Times und Hillary Clinton — Bierut arbeitet für die ganz Großen und ist in den letzten Jahren durch Vorträge, eigene Ausflüge in den Designjournalismus und zahlreiche populäre Arbeiten zu einem wahren Star der amerikanischen Designszene geworden. In seinem neuen Buch mit dem Titel „Wie man als Grafikdesigner Produkte erfolgreicher verkauft, Dinge besser erklärt, Sachen schöner macht, Leute zum Lachen bringt (oder zum Weinen) − und manchmal sogar die Welt verbessert.”, das er selber als autobiografisches Lehrbuch verstanden wissen möchte, werden Bieruts zentrale Arbeiten der letzten 35 Jahre vorgestellt. Der Titel ist Programm: klar im Ausdruck, nicht ohne gewisse Ironie und in Helvetica gesetzt, wenn auch in einem alternativen Schnitt mit runden Punkten.

Monographie Michael Bierut

Auf 319 Seiten finden sich 35 Case-Darstellungen, jeweils versehen mit einer an den Buchtitel angelehnten Überschrift und einem zugehörigen Text von Michael Bierut, der den Hintergrund dazu liefert wie es zu dem jeweiligen Auftrag kam und was seine Arbeit am Ende bewirken konnte.

Tolle Geschichten sind da zu entdecken, mal handeln Sie von einem ungewöhnlichen Auftrag einer New Yorker Kirche, von komplizierten Kunden und der Entdeckung der eigenen Kreativität. Das zu lesen macht manchmal Spaß („Wie man auf eine Idee kommt“ oder „Wie man Menschen überzeugt”). Ist es lehrreich? Möglich, gewiss nicht immer.

Zwei Schriftgrößen, ein klares Raster, große Bilder – die pure Gestaltung des Buches fällt auf. Gestalterisch steht Bierut fest in den Fußstapfen seines Lehrmeisters Vignelli. In diesem Sinne ist es ein Vignelli-Buch, das man da in Händen hält. Im Guten wie im Schlechten — die Helvetica kann als Brotschrift im Innenteil kaum überzeugen. Vielleicht wäre hier die modifizierte Type vom Buchtitel eine bessere Wahl gewesen?

Buch Michael Bierut Doppelseite

„Wie man als Grafikdesigner Produkte erfolgreicher verkauft, Dinge besser erklärt, Sachen schöner macht, Leute zum Lachen bringt (oder zum Weinen) — und manchmal sogar die Welt verbessert.” zählt Designarbeiten von Michael Bierut auf und gibt so einen soliden Überblick über das bisherige Schaffen eines der einflussreichsten Designer der Welt.

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Designbuch Rückseite

Michael Bierut Rücken

 

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Helvetica forever

Im „Druckspiegel 1960“ heißt es in einer Werbeanzeige der D. Stempel AG: „Reizüberflutung — Invasion der Bilder und Worte. Das sind Symptome unserer Zeit. Das Auge ist die Brücke zur Welt. Es wählt aus der Vielzahl der Reize — speist die Gedanken mit Eindrücken – Klarheit und Harmonie sind ihm zugeordnet wie Licht und Schatten. Augen von Könnern formten… weiter lesen